Zitat aber meiner Meinung nach bei solchen Hunden auch eine Verlagerung der Mensch-Hund-Bindung in Richtung Führerbindung. Damit meine ich NICHT, daß Du ihn unterordnen sollst. Damit meine ich, daß Du Deinen Job als Hundeführer, als der, der Euer Team sicher durch die Welt geleitet, als der, der die Wach- und Schutzaufgaben so übernimmt, daß der Hund es nicht tun muß, für Deinen Hund sichtbar und spürbar und nachvollziehbar machen mußt, damit er an Dich abgeben, sich Dir anvertrauen kann.
Meiner Erfahrung nach sind die meisten Gebrauchshundrassen diesbezüglich sehr, sehr kritisch, Du wirst Deinem Hund BEWEISEN müssen, daß Du befugt bist, ihn zu führen, indem Du den Job besser machst als er es kann.
Meine frage dazu wäre wie so etwas aussehen soll speziell in der Situation fremde Menschen? Soll ich ihn aus jeder Begegenung raus holen? Mich immer vor ihn stellen? Oder was versteht ihr darunter? Ich versuche immer ruhig und souverän auf zu treten bis zu einem bestimmten Grad funktioniert es ja auch aber eben nicht immer. Wie mach ich ihm klar das ich ihn in der Gruppe von Menschen beschütze?
Ich kann Dir vielleicht ein wenig von unserem Training berichten, denn Lumpi ist Fremden gegenüber extrem unsicher. Inzwischen haben wir das aber ganz gut im Griff - was nicht heisst, dass Lumpi ALLEIN mit solchen Situationen zurecht kommt.
Zu einer sicheren Führung gehört in jedem Fall, dass der Hund weiß, dass Du die Situation erfasst und richtig einschätzt. Bei uns bedeutete dies, dass ich ihm Menschen - auch einzelne - so früh wie möglich ankündigte. Das sah und sieht so aus, dass ich Lumpi sage "Schau mal da" - ich schaue in die Richtung, denn Hunde orientieren sich daran, wohin man den Blick wendet - "da sind Leute" oder "ein Mann" oder "eine Frau". Sobald Lumpi hinschaut gibt´s die Bestätigung - bei uns "Click" und Leckerchen. D.h. ich zeige ihm, dass ich die Menschen gesehen habe (auch wenn er sie zuerst sieht) und belohne jeden Blick zu den Leuten positiv.
Ganz wichtig ist auch, dass man die Körpersprache des Hundes richtig liest und entsprechend handelt. Ich führe meinen Hund dann sicher, wenn ich ihn aus einer Situation ruhig und zügig herausführe, die ihm Angst macht. D.h. für mich, ich sehe, dass Lumpi sich unwohl fühlt, beschwichtigt, Angstverhalten oder sogar schon Drohverhalten zeigt (dann hab ich aber schon gepennt) und ich entferne mich mit einem "Kehrt" oder "komm mit" aus der Situation. Ich gehe soweit mit ihm weg, bis seine Individualdistanz wieder hergestellt ist und er sich wieder wohl fühlt. Anfangs ist wichtig, sich wirklich komplett aus der Situation zu entfernen. Später, wenn der Hund schon gelernt hat, dass man ihn nicht den für ihn schlimmen Situationen aussetzt, geht man nciht mehr ganz so weit weg. D.h. ich bringe Lumpi aus der schlimmsten Situation raus, bleibe aber z.B. öfter stehen, auch wenn wir noch nicht so weit weg sind und bestätige jeden Blick zu den Leuten mit Click und Leckerchen.
Lumpi ist es extrem unangenehm in einer Gruppe fremder Menschen zu sein. Manchmal reicht es heute aber schon, wenn ich ihm nur sein 'Umkehrsignal "Kehrt" oder "komm mit" gebe und wir zwei Schritte zur Seite gehen. Da lasse ich Lumpi an der Seite absitzen, die von den Menschen abgewandt ist. D.h. die Distanz, die ich heute zwischen die Menschen und meinen Hund bringen muss ist heute sehr gering geworden. Weil Lumpi gelernt hat, dass ich ihn nicht dieser Situation aussetze bzw. ihn schnellstmöglich wegbringe, wenn es ihm zu viel wird.
Ich vergleiche das immer ganz gerne mit einer "Menschen-Angst-Geschichte": Stell Dir vor Du hast Angst vor Spinnen und wir wollten daran arbeiten. Nun gehe ich mit Dir irgendwohin, wo Du Dich mitten in einen Spinnenhaufen stellen sollst. PANIK!!! Oder? Da kann ich Dir noch so oft sagen: die tun nix - für Dich ist die Situation einfach nur schrecklich. Nun nehme ich dich am Arm und gehe mit Dir soweit weg, dass Du die Spinnen noch sehen kannst, aber Du dich vor ihnen sicher fühlst. Das mache ich mit Dir jedes Mal, wenn wir auf eine Spinne treffen. Besser, oder? Du beginnst mir zu vertrauen, weil Du weißt, ich beschütze Dich.
Ich weiß, man kann Menschen und Hunde nicht vergleichen, aber bei dem Beispiel fällt es mir immer leicht, mich in den Hund hinein zu versetzen. Erst, wenn ich demjenigen vertraue, weil er mich aus der Situation bringt, bin ich bereit mit ihm an der Angst zu arbeiten.
Viele liebe Grüße Frau T.mit Lumpi,Mo undNils __________________________________________________________________________
Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch. Karl Valentin
Zitat von KikaFrau T., das hast Du wieder richtig gut beschrieben!
Liebe Grüße Claudia
LG Anja mit Jacky & Andres Im immer dabei: unsere Dicke
Das Schönste, was ein Hund hinterlassen kann, ist ein Lächeln im Gesicht derjenigen, die an ihn denken, denn was tief in unserem Herzen verankert ist, können wir durch den Tod nicht verlieren.
Ganz toll beschrieben, Frau T. Trifft bei mir in Sachen Spinnen sogar zu. Uaaah! Und mit dem Coop mache ich das auch so und kündige ihm die Menschen, die wir sehen und treffen an.
Zitat von SilverlineDanke euch für eure Antworten! Also schön Clickern mach ich jetzt schon regelmäßig- mal sehen wie es sich entwickelt.
Entschuldige, wenns schon irgendwo steht...ich bin noch neu und muss erst mal erfassen, wer was wie schon gemacht hat... Hast du es denn schon mal probiert, dem Hund dann mehr Abstand zum Objekt zu geben? Also so, wie Frau T. es beschrieben hat?
Es gibt ja unterschiedliche Möglichkeiten zu belohnen, es muss ja nicht immer nur Futter oder Spielzeug sein. Die Belohnung kann dann auch sein, dass du den Abstand vergrößerst und der Hund sich so sicherer fühlen kann.
Mir ist in der Arbeit mit dem Angsthasen Bruno bewusst geworden, dass ich dafür zu sorgen habe, dass er sicher ist. Komme ich dieser Aufgabe nicht nach, regelt er es eben und dann auf hündisch...eine andere Sprache spricht er ja nicht. Nur ist hündisch nicht unbedingt das, was ich gern hab. Also muss ich tätig werden und gucken, was mein Hund gerade in einer Angstsituation braucht.